Griesels Gemälde aus dem Jahr 1996 entfaltet auf großformatigem Grund eine Szene, die zwischen Feierlichkeit und theatralischer Ambivalenz schwebt. Die Hochzeit als traditionelles Motiv der abendländischen Malerei wird hier mit der charakteristischen Bildsprache des Künstlers durchdrungen – figurativ präzise gefasst, doch durchsetzt von jener allegorischen Tiefenschicht, die Griesels Werk auszeichnet. Das Verhältnis von Breite und Höhe des Formats gibt der Komposition eine horizontale Spannung, welche die dargestellte Szene sowohl monumental als auch fragil zu machen vermag. In der Nachfolge seiner Studienzeit bei Bernhard Heisig verbindet Griesel alte Meisterschaft mit zeitgenössischer Sensibilität zu einer vielschichtigen Bilderzählung.